Die Welt von heute rast, doch es gibt Tage, an denen die Zeit stillzustehen scheint und wir den leisen Klängen der Erde lauschen können. Einen solchen Tag, erfüllt von der warmen Stille des Septembers, erlebte ich zusammen mit anderen Gästen, die ebenfalls aus Prahova und Câmpina angereist waren, um Slănicul-Moldovei zu besuchen, begleitet von der Leiterin des Reisebüros, Carmen Cernătescu.
Wir waren nicht nur Touristen und Reiseführer; wir waren Reisende durch die Erinnerung an einen Ferienort, der aus seiner eigenen Asche wieder auferstanden ist, und trugen in unseren Herzen eine tiefe Ehrfurcht vor den 109 Jahren, die seit den feurigen Nächten des Ersten Weltkriegs vergangen sind.
Über der Welt: Das Gebet vom Berg "Nemira" und das Testament von "Măgura Ocnai"
Unsere Reise begann mit einer sanften Fahrt empor in den Himmel. Lautlos trug uns der Sessellift zum Gipfel des Nemira-Hangs, das Land verschwand und gab den Blick auf ein Tal von überwältigender Schönheit frei. Doch dort oben, wo der Wind die Bergkämme streichelte, wurde die Luft plötzlich still und andächtig.
Beim Blick auf die schroffen Berge um uns herum rief ich aus dem Nebel der Zeit die Tage vom 9. bis 11. September 1917 in Erinnerung. Ich sprach mit den Gästen über die jungen Leute, die diese Hügel („Coșna“ und „Cireșoaia“) in Opferaltäre verwandelt hatten, und sprach ein Gedenkgebet für sie.
Vor genau 109 Jahren war die heutige Stille ein Donnerschlag von Granaten, und das karge Land barg den letzten Atemzug der Infanteristen und Bergjäger. Das Opfer dieser rumänischen Soldaten ist für die Ewigkeit auf der Vorderseite des Heldendenkmals auf der Măgura Ocnei in Târgu-Ocna verewigt, mit einer ergreifenden Botschaft, die unsere Seelen verbindet: „Sagt den zukünftigen Generationen, / dass wir unsere Pflicht getan haben.“ In den Augen derer aus Câmpina leuchtete damals ein Funke tiefer Dankbarkeit auf, ein stiller Pakt, dass diese Pflicht des Nicht-Vergessens weitergetragen werden würde.
Das Herzstück des Ferienortes und die Geige eines begabten Kindes
Wir stiegen hinab in den Central Park und wandelten zwischen den Blütenblättern des Blumenkalenders, einer lebendigen Metapher für den unaufhörlichen Fluss der Zeit. Doch unter der filigranen Kuppel des Musikpavillons erwartete uns pure Magie. Hier bat ich die Gäste, still zu sein und nicht mit den Ohren, sondern mit der Seele zu lauschen. Ich flüsterte ihnen zu, dass sie sich in dem Heiligtum befanden, wo am 25. Juli 1889 ein Kind von noch nicht einmal neun Jahren das Schicksal der rumänischen Musik für immer verändert hatte: George Enescu gab sein erstes Konzert vor Publikum. Für einen kurzen Augenblick spürten wir alle unter dem alten Holz des Pavillons die unsichtbare Schwingung einer längst vergangenen Geige – der Beweis, dass Schönheit und Genie jede Zerstörung überdauern.
Unsere Schritte führten uns wie in einer Prozession der Dankbarkeit an den schützenden Mauern der Kirche „Saint Ilie“ vorbei, einem Leuchtfeuer der Spiritualität inmitten stürmischer Zeiten. Bewundernd betrachteten wir die aristokratische Silhouette der Villa „Siam“, ein Fünf-Sterne-Juwel, das den Duft märchenhafter Zeiten bewahrt, und gingen an anderen Gebäuden vorbei, stummen Zeugen so vieler Schicksale, die sich in den Gassen des Ferienortes gekreuzt haben.
Die Quellen: Die heilenden Tränen der Erde
Anschließend begaben wir uns zur Quelle „Saint Spyridon“ und ließen uns auf dem Weg durch die Quellenallee vom Schatten der alten Bäume begleiten. Jede Quelle, an der wir vorbeikamen, erzählte eine Geschichte von Hoffnung und Heilung.
Wir verweilten mit fast andächtiger Ehrfurcht vor der Quelle Nr. 1, diesem historischen Monument, aus dessen Tiefe seit Jahrhunderten unverändert das lebensspendende Wasser entspringt. Die Gäste aus Câmpina verstanden, dass der Slănicul de Moldova (denn es gibt dort auch den Slănicul de Prahova) nicht nur ein Reiseziel ist, sondern ein gesegneter Ort, an dem die Natur selbst die Wunden von Körper und Seele heilt.
Auf den Stufen der Nostalgie
Zurück im Central Park betrachteten wir die einstigen Aushängeschilder des Kurortes: den Kurkomplex „Racoviță“ und das ehemalige „Inhalator“. Wir erzählten den Menschen der Ebene, wie der brutale Krieg sie in Erinnerungen verwandelt hatte, aber auch, wie der Wunsch der Menschen nach Wiedergeburt stärker war als die Granaten. Der Beweis dafür war, dass Slănic-Moldova in der Zwischenkriegszeit wieder zu einem der führenden Kurorte Rumäniens und darüber hinaus wurde.
Unsere Tour endete dort, wo Erhabenheit auf Melancholie trifft: auf den monumentalen Stufen des Casino Royale. Beim Gruppenfoto, mit warmen, von Nostalgie durchzogenen Lächeln, fühlten wir uns, als hätten wir eine tiefe Seelenverbindung besiegelt.
Die Gruppe aus Câmpina besuchte nicht einfach nur einen Badeort; sie erlebte eine Geschichte von Liebe, Pflicht und Unsterblichkeit. Sie reisten ab und hinterließen auf den Stufen des Casinos das Versprechen der Wiederkunft und in meinem Herzen die Gewissheit, dass Geschichte durch Menschen weiterlebt, die zu fühlen wissen.
Vielen Dank, ihr wundervollen Menschen von Câmpina, dass ihr euch entschieden habt, Slănicul-Moldovei (von Alexandru Vlahuță in seinem Werk „Picturesque Romania“ so schön „Sinaia Moldovei“ genannt) zu fühlen und die Pflicht gegenüber der Vergangenheit zu ehren sowie die Gegenwart zu besuchen.
Ihre Erinnerung, die Erinnerung an Slănic-Moldova, lebt durch euch weiter!

















































































































































































